4 Märchen über Web Apps – Fortschritt in der Webtechnologie

Patrick Schumacher · Juni 2019 in Expertise

Web Apps haben nicht den besten Ruf. Sie seien ein billiger Abklatsch von nativen Android und iOS-Apps. Eigentlich sind es nur Websites mit mobil-optimierten Interface. Web Apps haben sich im hart umkämpften App-Markt nicht bewährt.

Im Jahr 2019 wird man so etwas hoffentlich nur noch von Uneingeweihten hören. Denn Web Apps sind weitaus fortschrittlicher als der Laie denken mag. Wir sind im Zeitalter der Progressive Web Apps angekommen. Ohren gespitzt, wir widerlegen vier der häufigsten Vorurteile gegenüber Web Apps und zeigen die Stärken dieser webbasierten Technologie!

Märchen #1: „Web Apps können nur über die Browser-App aufgerufen werden.“

Wenn man es genau nimmt, stimmt diese Aussage sogar. Web Apps werden über den installierten Browser des Gerätes aufgerufen. Doch Vorsicht: Dies stellt in aller Regel kein Problem dar. Denn nur weil die webbasierte App über einen Webbrowser läuft, muss das nicht unser gewohntes Nutzererlebnis, wie wir es von nativen Applikationen kennen, beeinflussen.

Web Apps können mit eigenem App-Symbol auf dem Homescreen unserer mobilen Endgeräte abgelegt werden. Ja! Web Apps lassen sich auf unserem Startbildschirm oder unserem App Drawer installieren! Wie eine App eben. Klickt man auf ein solches App-Icon, öffnet sich die vermeintliche Website wie eine nativ installierte App im Vollbild-Modus – vom vermeintlichen Browser bleibt nicht mal die Adressleiste übrig.

Und mal unter uns, dieses App-ähnliche Verhalten ist keine Magie: Dafür muss lediglich eine Manifest-Datei auf dem Server abgelegt werden, die alle Informationen über App-Icon und Startverhalten der Anwendung enthält. Fast so einfach wie ein Favicon zu implementieren, nur wirksamer.

Und obwohl die Installation einer Web App auf dem Smartphone einen schnellen Zugriff bietet, ist es nicht notwendig, sie erst herunterzuladen bevor man sie nutzen kann. Denn Web Apps lassen sich auch weiterhin bequem über den Browser nutzen.

Für den Betrachter gibt es nun keinen optischen Unterschied mehr zwischen einer nativen App und einer Web App.


Märchen #2: „Meine Kunden finden meine Web App nicht im App Store.“

Wir suchen alles über Google: Den schnellsten Weg zum Nachbarhaus, um ein verpasstes Paket abzuholen. Das Krankheitsbild unserer Kopfschmerzen, die allesamt unser baldiges Todesurteil verkünden. Das Rezept eines Einhorn-Regenbogen-Küchleins für die nächste Party. Was wir aber nicht über Google zu suchen wagen, sind Apps. Dafür gibt es ja den App Store! Aber hey... Web Apps sind Websites. Und die sind nun mal nicht im App Store zu finden.

Ja, Sie ahnen es, dies ist ebenfalls ein Trugschluss. Denn sowohl der PlayStore von Google als auch der Microsoft Store bieten mittlerweile an, seine Web App auch dort zu veröffentlichen. Und seien wir ehrlich, neben der Lösung für das „Unsere App ist nicht im App Store!“-Problem haben wir damit auch weitere Vorteile: Wir können unsere Anwendung monetarisieren lassen, und es besteht die Möglichkeit von direktem Support in der jeweiligen Kommentarspalte des App Stores.

Apple-Jünger unter den Lesern? Ja, richtig kombiniert: Google und Microsoft unterstützen zwar mittlerweile Progressive Web Apps in den Stores, aber Apple zur Zeit nicht – wen wundert's. Hier muss der Web App ein „nativer Wrapper“ geschrieben werden, damit sie auch dort im Store gelistet werden kann. Hybrid statt progressive. Nicht geil, aber machbar!

Das Spannende dabei: Die Verknüpfung mit dem App Store ist nie ein Muss, denn über die Websuche ist die Web App bei guter SEO auch bestens zu finden. Und was über eine Websuche zu finden ist, kann auch geteilt und geliked werden. Eine Web App ist folglich sogar besser aufzufinden als eine native App.


Märchen #3: „Web Apps benötigen eine stetige Online-Verbindung, damit ich sie nutzen kann.“

Wir leben einen digitalen Lifestyle mit Always-on-Mentalität. Aber es soll Menschen geben, die auch mal den Flugmodus ihres Smartphones einstellen und dennoch Anwendungen nutzen wollen – hat man mir zumindest erzählt. So ganz ohne Netz. Geht mit einer Web App natürlich nicht.

Und wie das geht! Zur Installation einer Progressive Web App ist es zwar zunächst notwendig, eine Verbindung zum Internet herzustellen – aber das ist nun mal die Bedingung des klassischen App-Konzeptes und bei nativen Anwendungen auch die Voraussetzung. Eine CD einschieben ist beim Smartphone nun mal nicht drin. Hat man dies aber einmalig getan, ist es möglich, über Service Worker und die sogenannte Cache API, alle Ressourcen wie Bilder, Texte usw. im Browserspeicher zu bündeln. Diese können dann auch bei fehlender Online-Konnektivität immer wieder abgerufen werden. So können grundlegende Funktionalitäten auch ohne Online-Verbindung verwendet werden.

Ähnlich wie bei einer nativen App ist es dann für Updates aber notwendig, erneut eine Online-Verbindung herzustellen. Ein Cache, der sich automatisiert im Hintergrund aktualisiert! Keine Ausreden mehr für uns Webentwickler. In Sachen Offline-Zugriff steht also die Web App der nativen App nicht nach


Märchen #4: „Mit einer Web App kann ich nicht auf die Hardware zugreifen.“

Den nativen Apps ist es vorbehalten, auf System-Funktionen wie Push-Benachrichtigungen, den Teilen-Dialog, den System-Cache oder andere Schnittstellen wie GPS, Kamera und Mikrofon zuzugreifen. Im Web wurden dafür stets Alternativen gesucht oder sie mussten auf solche hilfreichen Funktionalitäten verzichten.

Auch hierfür haben sich intelligente Leute eine Lösung überlegt. Um mal ein paar technische Begriffe in den Ring zu werfen: Service Worker API, Web Storage API, Notifications API, Push API, Payment Request API, Web Share API... Alles moderne Programmschnittstellen, die existieren oder an denen effektiv gearbeitet wird.

Und Sie werden es schon an den Begrifflichkeiten merken: Die Möglichkeiten mit diesen Funktionen sind enorm. Das nächste soziale Netzwerk, der nächste Messenger-Bot, die nächste Bezahl-App. Mit einfachen Webtechnologien lassen sich schon heute effiziente und nutzerfreundliche App-Erlebnisse für alle Geräte erstellen. Und was heute noch nicht möglich ist, wird sehr wahrscheinlich in naher Zukunft Realität sein.

Bestes Paxis-Beispiel dieser Technologie sind die aktuellen mobilen Versionen der sozialen Netzwerke Facebook, Twitter und Pinterest. All diese Plattformen bieten mittlerweile eine „Lite“-Version ihrer Apps, die über den Browser aufgerufen und installiert werden kann. „Lite“ sind diese in Sachen Ressourcen und Ladegeschwindigkeit, nicht aber im Funktionsumfang. Ein großes Plus für die Webtechnologie.


Sie merken: Nicht alles, was vor ein paar Jahren noch über Web Apps erzählt wurde, trifft heute noch zu. Die Web-Technologie ist spannender und vielfältiger als je zuvor. Sprechen Sie mit uns, um zu erfahren, ob ihr nächstes Digitalprojekt mit einer Progressive Web App realisierbar ist!

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