Autorenprofile in Corporate Blogs

Was tun, wenn Mitarbeiter gehen?

Nichts ist für immer. Das gilt natürlich auch im Berufsleben. Der Weggang eines Mitarbeiters ist für Chefs, Kollegen und auch Kunden nichts ungewöhnliches. Doch in Zeiten von Corporate Blogging und verstärkt praktiziertem Mitarbeiter-Engagement wirft ein Arbeitsplatzwechsel manchmal eine neue Frage auf: Wie geht ein Unternehmen mit dem geistigen Eigentum (Artikeln) eines ausscheidenden Mitarbeiters im eigenen Corporate Blog um?

Vor einigen Wochen erreichte uns zu diesem Problem eine spannende Anfrage: Ein IT-Dienstleister betreibt einen Corporate Blog, in welchem die Mitarbeiter schreiben. Jeder Autor verfügt über ein eigenes Profil mit Foto, in dem der Mensch hinter den Texten mit beruflichem Werdegang und mit privaten Interessen beschrieben wird.

Nun stellte sich erstmals für das Unternehmen das Problem, dass ein bloggender Mitarbeiter das Unternehmen verlassen hat. Der Wunsch ist, die Blogbeiträge zu erhalten, gleichzeitig aber für die Leser deutlich zu machen, dass der Autor inzwischen nicht mehr für den Dienstleister schreibt und arbeitet.

Transparent bleiben
Wir bei helllicht bloggen bislang noch in unserer Anfangsbesetzung, es sind sogar noch ein paar Kollegen dazugekommen. Bisher mussten wir uns also noch nicht in der Praxis mit diesem Problem auseinandersetzen. Allerdings haben wir diese Anfrage als guten Anlass genommen, um uns selbst einmal mit diesem Szenario auseinander zu setzen.

Löschen ist keine Lösung
Ein absolutes No-Go ist in jedem Fall, den betroffenen Artikeln einen neuen Autor zuzuweisen: Der Text ist und bleibt geistiges Eigentum des ausscheidenden Mitarbeiters, auch wenn die Beiträge speziell für die Verwendung im Mitarbeiterblog erstellt wurden.

Guter Content bleibt guter Content
Warum es sich unnötig kompliziert machen? Generell ist der Weggang eines Mitarbeiters ein ganz normaler Vorgang, für den sich ein Unternehmen nicht zu verstecken braucht. Auch nicht in seinem Blog.

Somit wäre das Löschen der entsprechenden Beiträge und damit verbunden auch des Autorenprofils ein zwar gangbarer, aber auch unnötiger Weg. Im Gegenteil: Gehen wir an dieser Stelle davon aus, dass an den Texten des ehemaligen Schreibers auch rückblickend nichts auszusetzen ist und der betroffene Content weiterhin relevant für das Unternehmen ist, so spricht vieles dafür, auch Artikel ehemaliger Mitarbeiter weiterhin im Blog zu behalten.

Darum empfehlen wir: Kommunizieren! Dafür ist ein Blog ja auch da. Natürlich nicht in Form einer seitenlangen Abhandlung über den einstigen Mitarbeiter. Die eleganteste und für den Leser transparenteste Lösung ist ein schlichter, möglichst neutral formulierter Hinweis im Sinne von „Der Autor / Der Mitarbeiter hat unser Unternehmen zwischenzeitlich verlassen.“ direkt unter den betroffenen Artikeln oder im Autorenprofil.

Sollte übrigens innerhalb des Blogs, also beispielsweise verlinkt im Mitarbeiterprofil, die Email-Adresse des Mitarbeiters als Kontaktmöglichkeit hinterlegt worden sein, sollte diese natürlich entweder auf einen anderen Account umgeleitet, entfernt oder aber geändert werden, damit Anfragen nicht ins Leere laufen.

In der Praxis
Fesselnd war für uns die Frage, wie Corporate Blogs ganz real mit dem Weggang von Mitarbeitern und Autoren umgehen. Darum haben wir uns etwas umgehört.

Auch bei SMA Solar Technology AG besteht sowohl der Wunsch, die bestehenden Artikel zu erhalten, als auch die Notwendigkeit, deutlich kenntlich zu machen, wenn ein Mitarbeiter ausgeschieden ist. Die favorisierte Lösung des Problems ist, die betroffenen Autoren-Profile in Gastautoren-Profile umzuwandeln.

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Auch im Audi Blog bleiben prinzipiell alle Inhalte erhalten. Die recht ausführlichen Autorenprofile geben Auskunft, in welchem Bereich die bloggenden Mitarbeiter gerade tätig sind – oder ob sie das Unternehmen zwischenzeitlich verlassen haben.

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Die von uns befragten Unternehmen gehen unaufgeregt und überlegt mit dem Weggang bloggender Mitarbeiter um. Gut so! Allerdings wünschen sich auch alle eine für Besucher transparente Lösung, kein Unternehmen zieht aber das Löschen von Artikeln in Betracht. Dem können wir uns nur anschließen, denn guter Content bleibt guter Content, auch wenn der Autor zwischenzeitlich woanders arbeitet.

Autor: Sabine Büchse
Erstellt: 18/05/2015