Evil Corp, behalt’ dein schmutziges Geld!

Nicolai Goschin · März 2017 in Standpunkt

Der heiße Scheiß von damals

Dieser Artikel gehört zu unserem Frühwerk, das bedeutet: Damals waren die beschriebenen Sachverhalte aktuell, jetzt haben sie wahrscheinlich schon etwas Staub angesetzt.

Ein paar warme Worte, warum Provision scheiße ist. Keine Sorge ihr lieben Versicherungsvertreter und Arbeiter in provisionsgetriebenen Geschäftsmodellen. Das wird kein Meckern und Motzen an euch. Das hier ist etwas anders.

Als Agentur bekommen wir immer wieder von allerlei seriösen und weniger seriösen Firmen das Angebot, eine Dienstleistung gegen eine Provision zu empfehlen. Eine Provision in Form von Barauszahlungen, Sachmitteln, whatever. Auf jeden Fall ein Ding von Wert. Da könnte man natürlich schon mal neugierig werden. Wir empfehlen ungefähr zehn mal im Jahr einen Provider, da gibt es eine Provision von 50 Euro, das wären dann 500 Öcken auf die Hand, das ist doch top!

Nee, ist es nicht, das ist scheiße, und daher machen wir das nicht.
Es ist nämlich grundsätzlich gegen die Idee der Empfehlung. Ich empfehle etwas oder jemanden, weil ich es oder ihn gut finde, weil ich daran glaube, dass es einem Anderen nützt. Ein guter Illustrator, eine gute PR-Agentur, einen guten Fotografen, ein guter Hosting-Provider. Was auch immer man eben sucht. Wir empfehlen unsere Kontakte gerne. Weil wir sie mögen, weil wir wissen, dass man sie empfehlen kann und sie einen fucking guten Job machen. So einfach sehen wir das.

Eine Empfehlung sollte sich nämlich nicht anhören wie:
“oh ja, Provider, Moment, warte, jetzt, ja,… okay, der Affiliate-Partner-Link ist auf dem Weg zu dir cashing”.

Eine Empfehlung sollte sich so anhören:
“Illustrator? Ja, auf jeden Fall. Ich schicke dir die Kontaktdaten von Martin. Geiler Typ! Bestell ihm schöne Grüße, er ist der Beste!”.


Aber nicht alle sehen das so. Und deshalb klingelt hie und da wieder das Telefon und ein Hosting-Provider ruft bei uns an. An der geschulten Stimmlage und der Nettigkeit ahne ich schon. „Da will doch jemand was.“. Aber wir sind ja offen und höflich und hören zu. Das Gespräch läuft dann ungefähr nach folgendem einseitigen Schema ab:

Er:
“Hey, ihr seid ja eine Agentur, habt ihr schon unser Agentur-Programm gesehen? Super lecker Ding.”.

Ich dann so:
“Nein”.

Er dann wieder:
“Das ist super, wenn ihr uns an eure Kunden empfehlt, könnt ihr an jedem Vertrag mitverdienen, [bla bla bla] [Marketing Bullshit] [Blubber]… spannend, oder? Seid ihr dabei?”

Ich dann so:
“Nope”.

Er legt nach:
“Aber ihr seid ja auch Kunde bei uns…”

Ich wieder:
“Ja, aber trotzdem”. Und lege auf.

Denn es geht um eine einfach Sache: Wir empfehlen, weil wir das wollen. Nicht, weil wir dafür bezahlt werden.

Wir empfehlen unseren Kunden den Hosting-Provider von dem wir überzeugt sind. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass man “das Geld doch mitnehmen könnte”, wenn man diesen Provider so oder so empfohlen hätte.

Clever gedacht, kleiner Turbokapitalist. Aber nein. Denn unsere Reputation hängt davon ab, dass unsere Kunden und Kontakte uns vertrauen, unseren Empfehlungen vertrauen. Schließlich vertrauen sie uns auch, wenn sie etwas von uns kaufen. Und sie vertrauen uns, wenn wir ihnen von etwas abraten. Oder eben etwas empfehlen.

Trotz Provision wäre die Empfehlung vielleicht die Gleiche, aber der Eindruck wäre ein anderer, das Gefühl wäre ein anderes. Aus diesem Grund lehnen wir Provisionen ganz grundsätzlich ab. Egal, ob von Providern, anderen Agenturen, Vermittlern, wem auch immer. Aus Prinzip. Aus einer Haltung heraus.

Ausnahmen? Gibt es.

Ja, ich will ehrlich sein. Wer mich als Dankeschön auf ein frisch gezapftes Kaltgetränk einladen will, darf das machen. Aber nur, wenn er oder sie auch nette Gesellschaft ist.

Wer das hier liest und uns empfohlen hat, denkt sich jetzt sicher:
“Moment, dieser Nicolai hat uns doch schon Provision angeboten, als Dankeschön”. Ja, das ist richtig. Wir bieten das an, denn nicht jeder sieht die Welt so wie wir. Und es ist okay, wenn andere das annehmen wollen. Das ist nicht falsch.

Nur gibt es eben für uns diesen Grundsatz, dass Provision scheiße ist und wir als Berater keinerlei Provisionen annehmen. Machen wir einfach nicht. Aus diesem Grund weiß jeder, dass eine Empfehlung von uns eine echte Empfehlung und kein Kontakt-für-Cash-Deal ist.

Also ihr spitzfindigen Provisionäre da draußen:
“Ruft uns nicht an, nehmt uns nicht in eure Partnerprogramme auf, lasst einfach stecken. Wenn ihr gut seid, dann empfehlen wir euch so oder so.”

Alles andere: passt nicht.

Sorry, kurze Unterbrechung.
Geht sofort weiter.

Wir lieben alle User, auch Sie. Deshalb wollen wir unsere Inhalte noch besser zuschneiden.
Verraten Sie uns, was Sie beruflich tun?

Vielen Dank!